Oktoberfest in Langstadt  2011

Bericht aus der Offenbacher Post

Feier in Dirndl und Lederhose

Langstadt - Rund 9,20 Euro hat in diesem Jahr die Maß Bier auf dem Münchner Oktoberfest gekostet. Dagegen muteten die Preise beim närrischen Oktoberfest der Karnevalabteilung des TSV Langstadt mit 6,50 Euro schon sozialverträglich an.
Von Michael Just

oktoberfest_langstadt_2011

Am Freitagabend waren im Ochsenstadl wieder Dirndl und Lederhosen angesagt. “Die Idee kam uns einst bei einem Empfang von Karnevalisten im Landratsamt”, erzählt Abteilungsleiter Rüdiger Manowski. Als der damalige Landrat Alfred Jakoubek einwarf, dass die Narren sich doch auch mal außerhalb der Saison treffen sollten, war die Idee zum närrischen Oktoberfest im Babenhäuser Stadtteil geboren.

Für die dritte Auflage wurden wie gewohnt 50 Einladungen an alle Fastnachtsvereine im Landkreis verschickt. Da der Ochsenstadl nur rund 250 Flachlandtiroler fasst, gilt ein einfaches Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. In diesem Jahr konnten unter anderem Narren aus Roßdorf, Richen, Ober-Ramstadt, Klein-Umstadt, Bessungen oder Georgenhausen die Maßkrüge stemmen. Dazu durften natürlich die Nachbarn des CCH Harreshausen und die des Carnevalvereins Babenhausen nicht fehlen. Zu vielen Fastnachtsvereinen aus dem Kreis haben die Langstädter enge Kontakte und besuchen deren Sitzungen.

Vor allem die überwiegend jungen Karnevalisten aus Ober-Ramstadt hatten sich beim Zwirn ganz besonders ins Zeug gelegt: Dicht an dicht saßen hier die Mannsbilder mit schicken Lederhosen neben feschen Dirndlträgerinnen.

Die 18-jährige Chantal ist überhaupt zum ersten Mal auf einem Oktoberfest dabei: Ihr Dirndl hatte sie am Montag zuvor noch bei Ebay geordert - nicht unter der Rubrik “bieten”, sondern gleich bei “direkt kaufen”. Für 109 Euro sitzt sie nun mit weißer Bluse und pink-kariertem Kleid in der geselligen Runde. Laut der Schülerin passe der Schnitt, nichts drücke oder zwicke an empfindlichen Stellen. Auf die Frage, wie viele Maß sie sich zutraut, antwortet sie nach kurzer Bedenkzeit: “Wir sagen mal drei.” “Die Frage sollte besser lauten, nach wie vielen Maß es einem noch gut geht”, wirft ihre Nachbarin lachend ein.

Am gleichen Tisch fällt der 21-jährige Daniel als einer der wenigen auf, der keine Lederhose trägt. “Die Anschaffung war mir einfach zu teuer”, führt der Jeansträger an. Die Preise für eine Lederhose hätten sich zwischen 150 und 1 000 Euro bewegt. Originell und original zugleich ist dafür sein kariertes Hemd. Das erwarb er einst bei einem Urlaub in Berchtesgaden. Dafür, dass er nicht überstürzt die “Schnäppchen-Lederhose” für 150 Euro erwarb, hat er noch eine weitere, plausible Begründung parat: “Wenn ich was kaufe, dann soll´s auch was Gescheites sein.”

Dicke Backen bewies der evangelische Posaunenchor Langstadt, der zünftig aufspielte und professionell wie jenseits des Weißwurstäquators die Klänge bayerischer Festzeltmusik verbreitete. Damit bewiesen die Musiker, dass sie über ein weitgefasstes Repertoire verfügen. Dirigent Michael Schließmann griff immer wieder zum Mikrophon und hatte dabei Gesangseinlagen parat, die Marianne und Michael aufhorchen lassen würden. Nach mehreren Prosits auf die Gemütlichkeit erklang bereits um kurz nach halb neun: “Nur nach Hause gehen wir nicht”. Dass das Oktoberfest seinem Beinamen “närrisch” gerecht wurde, warteten zu späterer Stunde noch Auftritte der Groß-Umstädter Disharmoniker und des Colonia-Express´ aus Bessungen.

 

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